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Technikkommunikation

Technik im Austausch mit der Gesellschaft gestalten

Ob autonomes Fahren, Fracking oder Gentechnik – wenn innovative Technologien Erfolg haben sollen, ist der Dialog mit der Gesellschaft unerlässlich. Die Öffentlichkeit sollte in einem frühen Stadium einer Technikentwicklung einbezogen werden. Dabei ist Wissen die Basis für eine informierte Debatte. Aber wie weckt man gesellschaftliches Interesse am besten, wenn der Einsatz der Technik noch in weiter Ferne zu liegen scheint? Wie vermittelt man dieses Wissen an eine breite Öffentlichkeit? Und wie bezieht man die Perspektiven der Öffentlichkeit in die Technikentwicklung mit ein? acatech setzt sich kritisch mit diesen Fragen auseinander – sowohl in der Theorie der Technik- und Wissenschaftskommunikation als auch in der praktischen Weiterentwicklung neuer Dialogformate.

Labor für Technikkommunikation: Frühzeitig die Perspektive des anderen verstehen

Ein Patentrezept für die Einbindung der Öffentlichkeit gibt es nicht. acatech testet neue Dialogformate und prüft in der Praxis, wie und wann die Gesellschaft am besten in die Technikgestaltung einbezogen werden kann. Die Projektgruppe „Künstliche Fotosynthese“ wandte sich mit einem Comic-Workshop an die Öffentlichkeit. Hier gelang es, mit Jugendlichen zu einer Technologie in einem sehr frühen Entwicklungsstadium ins Gespräch zu kommen. Bilder sagen mehr als tausend Worte – nach diesem Motto entwarfen die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Stift und Papier nach einer Einführung in die Technologie ihre Zukunftsvisionen von der Künstlichen Fotosynthese. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema sieht die Projektgruppe einen wichtigen Einstieg in die öffentliche Debatte um Chancen und Risiken der Technologie.

Eine Technologie, die seit einiger Zeit kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert wird, ist das Fracking, ein Verfahren zur Gewinnung von Erdöl, Erdgas oder Erdwärme aus tiefen Gesteinsschichten. Gegner fürchten Umwelt- und Gesundheitsrisiken, während Befürworter Fracking als wichtige Option für die Energieversorgung sehen.

acatech, die Bayerische Akademie der Wissenschaften und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina luden Bürgerinnen und Bürger im Oktober 2015 zu einer Fish-Bowl-Veranstaltung zum Fracking ein. Die Diskussion förderte das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und Interessen. Dieses Wissen um die Perspektive des anderen ist ein wichtiger Baustein für einen konstruktiven Umgang mit Kontroversen.

Ebenfalls gemeinsam mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften fand im November 2015 ein Science Slam „Zukunftsstadt“ in München statt. Mit unterhaltsamen Kurzvorträgen über ihre Forschung stellten sich sieben Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler dem Publikum.

Wissenschaft in sozialen Medien: Veränderungsprozesse der Kommunikation untersuchen

Die gemeinsame Stellungnahme der Akademien „Zur Gestaltung der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und den Medien“ war Grundlage für eine öffentliche Diskussion über die Wissenschaftskommunikation im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Oktober 2015. Zuvor hatte acatech ihre Expertise in ein Dialogpapier zur Wissenschaftskommunikation eingebracht, mit dem Ausschussmitglied Daniela de Ridder den politischen Diskurs zum Thema anstoßen will. Im April 2015 startete die zweite Phase des Akademienprojekts unter Leitung von Peter Weingart, die den Fokus auf die sogenannten sozialen Medien richtet. Massenmedial verbreitete Informationen können über Facebook, Twitter oder Blogs nun weitergeleitet, aber auch verändert und kommentiert werden. Zentrale Frage des Projekts ist, wie sich die speziellen Eigenschaften sozialer Medien auf die Kommunikation wissenschaftlicher Inhalte auswirken. Theorie und Praxis greifen dabei Hand in Hand: Die Arbeitsgruppe des Akademienprojekts stellt ihre Ergebnisse und Erfahrungen in einem eigenen Blog „Wissenschaftskommunikation hoch drei“ auf Scilogs zur Diskussion.

Lernwerkstatt Technikkommunikation: Wissenschaft trifft Praxis

Ihre Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse zur gelungenen Technikkommunikation teilt die Akademie mit jungen Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren. Die Lernwerkstatt Technikkommunikation, die acatech und Wissenschaft im Dialog gemeinsam veranstalten, richtet sich speziell an Nachwuchskräfte aus Wissenschaftskommunikation und Journalismus. Mit dem jährlich stattfindenden Erfahrungsaustausch rücken acatech und Wissenschaft im Dialog die Technikkommunikation in den Fokus, deren Bedeutung und Stellung innerhalb der Wissenschaftskommunikation bisher kaum gesondert betrachtet wird. Während der viertägigen Lernwerkstatt im November 2015 in München diskutierten die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem Themen wie Partizipation und soziale Medien.

TECHNIK GEMEINSAM GESTALTEN: DIALOG AM BEISPIEL DER KÜNSTLICHEN FOTOSYNTHESE. In dem interdisziplinären Projekt „Künstliche Fotosynthese – Entwicklung von Technikzukünften“ beleuchteten Expertinnen und Experten die unterschiedlichen Technikzukünfte, die mit Künstlicher Fotosynthese möglich werden und erkundeten, wie ein frühzeitiger Dialog über die Zukunftstechnik geführt werden kann. Künstliche Fotosynthese ist eine visionäre Technologie, die zum Energiemix einen wichtigen Beitrag leisten kann. Nach dem Vorbild der Pflanzen nutzt die Technologie Sonnenlicht, um aus Wasser und Kohlendioxid energiereiche Stoffe herzustellen. In vier Dialogveranstaltungen bekamen interessierte Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, sich über Künstliche Fotosynthese zu informieren, mitzureden und mitzugestalten. Um die Künstliche Fotosynthese verständlich zu machen, entwarf die Projektgruppe unterschiedliche Techikzukünfte als Diskussionsgrundlage für die Dialogveranstaltungen. Die Erfahrungen mit den unterschiedlichen Dialogformaten dokumentiert die acatech POSITION „Technik gemeinsam gestalten. Frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit am Beispiel der Künstlichen Fotosynthese“, die Anfang 2016 erschien.

„Der Ansatz von acatech, Technikzukünfte mit einem partizipativen Konzept zu entwickeln, ist begrüßenswert. Allerdings stehen wir hier erst ganz am Anfang einer Entwicklung. Noch fehlt uns allen ein nachvollziehbares, übergreifendes Konzept, wie solch ein transdisziplinärer Ansatz gestaltet werden soll. Hier freue ich mich auf einen weiterhin spannenden Austausch“

Steffi Ober, Leiterin der Zivilgesellschaftlichen Plattform Forschungswende und Referentin für nachhaltige Forschung und Innovation beim Naturschutzbund NABU, zum Dialog mit der Öffentlichkeit im acatech Projekt „Künstliche Fotosynthese“

Grundfragen der Technikwissenschaften

acatech setzt sich auch mit den theoretischen und praktischen Grundfragen der Technikwissenschaften auseinander. Die Tagung „Technikwissenschaften - Ingenieurwesen – Naturwissenschaften“ im Oktober 2015 in Berlin thematisierte das Zusammenwirken der Technikwissenschaften in zwei wichtigen Bereichen: einerseits mit den Naturwissenschaften und andererseits mit der Ingenieurpraxis außerhalb der Wissenschaft. Damit sollte das Selbstverständnis der Technikwissenschaften und der Technik geschärft werden.

Überblick über die acatech Projekte im Themenfeld Technikkommunikation im Jahr 2015

Symposium Industrie – Infrastruktur – Gesellschaft Juni 2015 - Feb. 2016
Künstliche Fotosynthese – Entwicklung von Technikzukünften Okt. 2013 - Feb. 2016
Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien II (mit Leopoldina und Akademienunion, unter Federführung von acatech) April 2015 - Dez. 2016
Lernwerkstatt Technikkommunikation Jan. 2014 - Dez. 2016
Veranstaltungsreihe Technikkommunikation (mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften) Jan. 2014 - Dez. 2016