Foto: shutterstock/Philip Lange

Internationales

Weltweite Wissensnetzwerke für globale Zukunftsfragen

Der Innovationsstandort Deutschland ist heute eng in internationale disziplinübergreifende Wissensnetzwerke eingebunden. Durch ihre internationalen Aktivitäten konnte acatech in den vergangenen Jahren zahlreiche europäische und internationale Netzwerke ausbauen, in denen eine Vielzahl von Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten, Kooperationen vertiefen und Projekte anstoßen.

Scientific Advice Mechanism: Wissenschaftliche Politikberatung in Europa

Im Mai 2015 beschloss die Europäische Kommission, die Akademien als eigenständige Säule in den neuen Mechanismus zur wissenschaftlichen Politikberatung, den sogenannten Scientific Advice Mechanism (SAM), aufzunehmen. Vorbild für die Zusammenarbeit der Akademienverbünde ist das deutsche Modell der Zusammenarbeit der Akademien im Ständigen Ausschuss. acatech wird die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene koordinieren. Die Kommission wird die unabhängige wissenschaftliche Politikberatung durch die Akademien in Europa über das Forschungsrahmenprogramm "Horizont 2020" mit 6 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre finanzieren.

Zuvor hatte acatech Präsident Reinhard F. Hüttl in seiner Rolle als Präsident des europäischen Dachverbands der technikwissenschaftlichen Akademien (Euro-CASE) im März 2015 gemeinsam mit den Präsidenten der europäischen Akademienverbünde Academia Europaea, ALLEA, EASAC und FEAM eine Absichtserklärung zur Stärkung der Kooperation in Europa unterzeichnet. Mit europaweit rund 100 Akademien mit jeweils hunderten von Mitgliedern aller wissenschaftlichen Disziplinen sind die Akademienverbünde gut aufgestellt, um unabhängige wissenschaftliche Politikberatung auch den Europäischen Institutionen anzubieten.

© European Union, 2010

„Ich begrüße es sehr, dass die europäischen Akademien ihre Kräfte bündeln, um der EU-Kommission unabhängige, interdisziplinäre wissenschaftliche Beratung anzubieten mit dem Ziel, europäische Politikentwicklung zu unterstützen. Wir freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit.“

Robert-Jan Smits, Generaldirektor für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission anlässlich der Unterzeichnung der Absichtserklärung der europäischen Akademienverbünde im März 2015

Engagement in Akademienverbünden: Erfahrungen mit deutscher Energiewende teilen

Im Mittelpunkt der Arbeit des internationalen Akademienverbundes CAETS standen die Themen Energieversorgung, Mobilität und Gesundheitstechnologien. acatech engagierte sich insbesondere in der Arbeitsgruppe „Energie“. Dort stellte acatech den Weg Deutschlands in ein nachhaltiges Energiesystem vor und hob hervor, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht auf Stromspeicher warten müsse. Vielmehr könnten flexible Erzeuger wie Biogas- und Erdgaskraftwerke in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren Schwankungen in der Stromversorgung ausgleichen.

Außerdem führte acatech die seit sieben Jahren bestehende Kooperation mit der Falling Walls Foundation auch 2015 fort und setzte am Rande der „Falling Walls“-Konferenz gemeinsam mit den Präsidenten der Technikwissenschafts- und Wissenschaftsakademien sowie der europäischen Akademienverbünde Impulse zu wissenschaftsbasierter Politikberatung im europäischen Kontext. Die Anregungen aus der Diskussion fließen in den Prozess der Politikberatung europäischer Institutionen ein.

Kooperation mit Indien und China: Smart Cities in Schwellenländern fördern

Neben dem Engagement in den Dachverbänden hat acatech die Beziehungen zu weiteren technikwissenschaftlichen Akademien und ausgewählten Einrichtungen wie Stiftungen und Think-Tanks europa- und weltweit gestärkt. Über den europäischen Kontext hinaus konnte 2015 die Zusammenarbeit mit den Schwesterakademien in China und Indien weiter ausgebaut werden. Die erstmals im Jahr 2012 durch acatech und die Indian National Academy of Engineering (INAE) unterzeichnete Absichtserklärung wurde um weitere drei Jahre verlängert, mit dem Ziel, auch zukünftig in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Stadtentwicklung zusammenzuarbeiten. Zuletzt untersuchten deutsche und indische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der INAE das Potenzial der Industrie 4.0 für Schwellenländer. Fazit: Eine erfolgreiche Integration von Technologien der Industrie 4.0 kann das Wachstum und auch die Umweltverträglichkeit der Wirtschaft in Schwellenländern stärken, die städtische Mobilität entlasten sowie neue Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig gaben die Akademien Empfehlungen, wie die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Schwellenländer beim Aufbruch in ein neues industrielles Zeitalter unterstützen kann.