Foto: acatech/Svea Pietschmann

Innovationsberatung

Neue Technologien erfordern neue Partnerschaften

Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand beruhen auf Innovationen in Wissenschaft und Wirtschaft. Erhalt und Stärkung der Innovationskraft sind daher zentrale politische Ziele. Wie aber kann die Politik geeignete Rahmenbedingungen für Ideen und neue marktfähige Produkte schaffen? Mit dieser Grundfrage beschäftigt sich der von acatech seit 2010 organisierte Innovationsdialog zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft. Er ist heute die zentrale Plattform für den Austausch zwischen relevanten Akteuren des deutschen Innovationssystems.

Innovationsdialog: Zukunftsthemen erschließen

Zur Diskussion wichtiger Zukunftsthemen führt der Innovationsdialog zweimal jährlich die Bundeskanzlerin, den Bundeswirtschaftsminister, die Bundesforschungsministerin und den Chef des Bundeskanzleramts mit 16 Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Organisiert wird der Innovationsdialog unter Leitung von acatech Präsident Henning Kagermann von einer bei der Akademie angesiedelten Geschäftsstelle. Zu jedem Beratungsthema erarbeitet die Geschäftsstelle ein vorbereitendes Dossier.

„Für die Gestaltung wichtiger Zukunftsthemen wie Globalisierung, Digitalisierung und Industrie 4.0 brauchen wir Offenheit und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Staat. acatech schafft dabei wie ein Leuchtturm Orientierung in der deutschen Innovationslandschaft und fördert Kooperation.“

Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, anlässlich der acatech Festveranstaltung im Oktober 2015

Digitalisierung: Chancen der Vernetzung nutzen

Nachdem der Innovationsdialog im Jahr 2014 neu konstituiert wurde, fand am 29. April 2015 die zweite Sitzung des Innovationsdialogs in dieser Legislaturperiode statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über die „Digitale Vernetzung und Zukunft der Wertschöpfung in der deutschen Wirtschaft“. Digitale Ökosysteme, in denen über Plattformen sowohl Daten gesammelt als auch verarbeitet werden, bieten neuartige intelligente Dienstleistungen an. Damit entstehen neue Geschäftsmodelle, ehemals statische Wertschöpfungsketten wandeln sich zu flexiblen Wertschöpfungsnetzwerken. Unternehmen stehen damit nicht zuletzt vor der Herausforderung, die digital vernetzte Arbeit zu gestalten. Für den deutschen Wettbewerbsstandort verbinden sich mit der digitalen Transformation auch Fragen nach dem Erhalt der technologischen Souveränität bei Hardware und Software. Inhaltlich begleitet wurde das vorbereitende Dossier durch Volkmar Denner (Bosch), Ralph Dommermuth (United Internet) und Reiner Hoffmann (Deutscher Gewerkschaftsbund).

Mensch-Maschine-Interaktion: Kompetenzen vernetzen und Experimentierräume schaffen

Der Innovationsdialog am 10. November 2015 knüpfte unmittelbar an diese Fragestellungen an und vertiefte sie. Debattiert wurde über die „Innovationspotenziale der Mensch-Maschine-Interaktion“.

Deutschland verfügt über eine gute Ausgangsposition, um an den globalen Entwicklungen bei der Mensch-Maschine-Interaktion erfolgreich teilzuhaben. Die in Deutschland vorhandenen Kompetenzen – beispielsweise im maschinellen Lernen, der Sensorik und Aktorik – können allerdings besser vernetzt werden.

Auch sollten mehr Frei- und Experimentierräume möglich sein, um Forschungsergebnisse schneller in erfolgreiche Innovationen zu überführen. Dabei müssen auch individuelle sowie gesellschaftliche Anforderungen und Wertvorstellungen berücksichtigt werden. Dann kann Deutschland die Chancen der Mensch-Maschine-Interaktion für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität nutzen. Bei der Vorbereitung dieses Themas wurde die Geschäftsstelle Innovationsdialog von Andreas Barner (Boehringer Ingelheim), Reimund Neugebauer (Fraunhofer-Gesellschaft), Martin Stratmann (Max-Planck-Gesellschaft) und Eberhard Veit (Festo) begleitet.

Innovationsindikator: Innovationskraft des Mittelstands stärken

Erstmals gab acatech 2015 gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) den Innovationsindikator heraus. Die jährliche Studie vergleicht die Innovationsstärke von 35 führenden Industrie- und Schwellenländern und formuliert Handlungsempfehlungen, wie die deutsche Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden kann. Die wichtigsten Ergebnisse: Deutschland kann sich in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld im internationalen Innovationswettbewerb behaupten, bleibt aber immer noch hinter den Spitzenreitern Schweiz und Singapur zurück. Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) gelten als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft; ihre Innovationskraft muss gestärkt werden. Zwar kommt fast jeder zweite Hidden Champion weltweit aus Deutschland, im internationalen Innovationswettbewerb stechen deutsche KMUs aber nicht heraus. Sie benötigen einfachere Zugänge zu Forschungsprogrammen, digitalen Ökosystemen und ausländischen Fachkräften.